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Rettet das Komma! – Ein Beitrag über Satzzeichen und Alligatorenfutter

Ich liebe Kommas (oder auch Kommata, je nach Geschmack). Ja, es ist wahr: Als bekennender Sprach-Ästhet genieße ich die Möglichkeit, meine Gedanken durch dieses kleine, unscheinbare Satzzeichen in eine lesefreundliche Form zu bringen. Schaut man sich allerdings auf diversen Websites um, zeigt sich schnell, dass nicht jeder diese Ansicht teilt. Selbst grundlegende Regeln werden teils sträflich missachtet. Die Ergebnisse wiederum sind mitunter recht kurios, wie ich euch in diesem Beitrag zeigen möchte.

Kleines Zeichen, große Leistung

Für die “korrekte” Verwendung des Kommas hat der Duden auf Basis der Rechtschreibreform insgesamt 33 Regeln formuliert. Nein, keine Sorge – ich werde euch nicht mit der grauen Theorie quälen. Ich möchte euch nur kurz die drei übergeordneten Funktionen skizzieren, die das Satzzeichen erfüllt:

  1. Es trennt Sätze oder satzähnliche Konstruktionen voneinander ab.
  2. Es markiert Vor-, Ein- oder Nachschübe.
  3. Es strukturiert Reihungen/Aufzählungen.

In vielen Fällen trägt das Komma maßgeblich zum richtigen Satzverständnis bei. Wird es weggelassen, können schnell Fehlinterpretationen entstehen. Im Folgenden möchte ich euch einen (hoffentlich unterhaltsamen) Einblick in ein paar der möglichen Probleme vermitteln.

Zeit zum Fressen – oder Gefressenwerden

Helfe Hallfarth_omsag.de_BB_Kommasetzung_Krokodil

Das niedliche Tierchen auf dem Bild ist Rob – ein kleiner Alligator, der wahnsinnig gerne Kommas frisst. Durch seine kulinarische Vorliebe macht Rob uns als Lesern gelegentlich das Leben schwer. Und nicht nur uns, sondern in einigen Fällen sogar sich selbst. Folgender Satz könnte, seiner Kommas beraubt, recht ungemütlich für unseren schuppigen Freund werden:

Komm wir essen Rob!

Ob Rob sich nach dieser Aussage auf eine leckere Satzzeichensuppe freuen darf oder Gefahr läuft, selbst im Kochtopf zu landen, darüber entscheidet ein kleiner Strich: In Komm, wir essen, Rob! wird Rob vom eigentlichen Satz abgetrennt und als Anrede gekennzeichnet; heißt es dagegen Komm, wir essen Rob!, wird er als Teil des Satzes (hier als Objekt) behandelt und steht damit selbst auf der Speisekarte.

Pseudorassistische Reptilien

Innerhalb der Familie der Alligatoren unterscheidet der Biologe zwischen Echten Alligatoren und Kaimanen. Natürlich ist der Titel “Echter Alligator” ein eindrucksvolles Statussymbol unter den Reptilien. Tom, ebenfalls ein Alligator, ist ein Rivale von Rob. Das führt gelegentlich dazu, dass (ähnlich wie im Gangsta-Rap) der Kontrahent schlechtgeredet wird:

Tom sagt Rob ist gar kein Echter Alligator.

Wer hier aber eigentlich wen schlechtredet, wird erst klar, wenn man die von Rob verschlungenen Kommas wieder einsetzt. Je nachdem ist entweder Tom oder Rob der Übeltäter (hier unterstrichen):

Tom sagt, Rob ist gar kein Echter Alligator.

Tom, sagt Rob, ist gar kein Echter Alligator.

Aber keine Sorge, Alligatoren sind nicht wirklich rassistisch – die zwei spaßen einfach nur miteinander.

Die Lehre der Alligatorehre

Ob es unter den Alligatoren einen moralischen Kodex gibt, weiß niemand so genau. Auch hier hilft Robs Speisevorliebe nicht gerade weiter, sondern macht Sätze wie den folgenden umso mehrdeutiger:

Der ehrenhafte Alligator ernährt sich selbst zuletzt.

Vielleicht war das Komma, bevor es zu Robs Mittagessen wurde, so platziert: Der ehrenhafte Alligator ernährt sich, selbst zuletzt. In diesem Fall trägt selbst die Bedeutung “sogar” und liefert zusammen mit zuletzt eine nachgeschobene Information. Hier betont der Satz einen besonders ausgeprägten Schlemm- … äh, Überlebensinstinkt der Alligatoren.

Es wäre aber auch möglich, dass Rob hier überhaupt nicht zugeschlagen hat und der Satz von vornherein kommalos war. Dann wäre die Satzaussage, dass das ehrenhafte Tier als Letztes frisst (und anderen den Vorzug gibt). Diese Variante rückt die Alligatoren in ein sehr altruistisches Licht – was, wenn man Rob und seinen immerwährenden Appetit betrachtet, etwas weit hergeholt wirkt.

Es ist an der Zeit, Zeichen zu setzen – auch für SEO

Die Beispiele in diesem Beitrag waren natürlich fingiert, aber ich hoffe, ich konnte euch trotzdem das grundsätzliche Problem vor Augen führen. Denn dieses ist auch für die Suchmaschinenoptimierung von Relevanz: Spätestens seit dem Hummingbird-Update wissen wir, dass es Googles erklärtes Ziel ist, seinen Nutzern nicht nur Websites mit spezifizierten Schlüsselwörtern zu liefern, sondern Ergebnisse, die in sinnstiftendem Zusammenhang zur (implizierten) Frage des Suchenden stehen.

Außerdem erkennt Google durchaus Fehler in Rechtschreibung und Grammatik und bezieht diese in die Ermittlung des Website-Rankings mit ein. Auch wenn gerade die Kommasetzung ein hochkomplexes Thema ist – die heutigen Algorithmen zur automatischen Sprachverarbeitung entwickeln sich stetig weiter. Mich würde es daher nicht wundern, wenn Google in Zukunft die Bedeutungsunterschiede zwischen den obigen Beispielsätzen korrekt interpretieren könnte.

Zusammenfassend kann ich also nur empfehlen, die Kommasetzung beim Schreiben nicht außer Acht zu lassen. Ich halte es übrigens für möglich, dass Rob tatsächlich durchs Internet wandert und unsere Satzzeichen mampft. Wenn ihr ihm einen Streich spielen wollt, benutzt doch ab und zu mal ein Semikolon; vielleicht verschluckt er sich daran ;).

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Über den Autor

Helge
Helge arbeitet als Redakteur bei der Online Marketing Solutions AG. Er sieht sich gleichermaßen als Sprachästhet und Analytiker mit Vorlieben für (Video)Spiele, Milch, Rapmusik, Anime und Volleyball.

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