Höhenflüge in der Online-Redaktion

 Kategorie: Online Public Relations

Der Texter setzte sich an seinen Schreibtisch und ließ den Blick über die vor ihm liegenden Aufgaben wandern. Es waren zahlreiche Themen darunter, die ihm bereits bestens vertraut waren: Da konnte man nichts Neues mehr lernen. Dann fiel sein Blick jedoch auf ein Produkt, das er in diesem Kontext noch nicht so häufig gesehen hatte: Jetpacks!

Er schlug die Firma nach und entdeckte, dass sie in der Tat Jetpacks verkaufte, Kostenpunkt 750.000 Euro pro Stück. Bis jetzt wurde allerdings erst eine Hand voll verkauft. Man war entschlossen, die Internetseite aufzuarbeiten, damit sie mehr potenzielle Kunden einfing. Modellbauer, Jungendliche um die 16 Jahre sowie Liebhaber von Science-Fiction-Filmen wurden als bevorzugte Käuferschicht betrachtet.

Die Suchbegriffe lauteten: Jetpack, Jetpacks, Düsenjet, Düsentrieb, billig fliegen, Raketen, Boba Fett, Rocket Man, private Luftfahrt, und in die Luft gehen. Nun, dachte sich der Texter, das dürfte ja eigentlich recht einfach werden, oder? Sicherlich würde jedermann eine solche Maschine wollen! Was man damit alles machen konnte! 300 Wörter zusammenzubekommen, würde überhaupt kein Problem sein. Der Texter ließ die Fingerknöchel knacken, setzte an und begann zu schreiben.

Wenn Verkehrsstau zum Kreativstau wird

„Könnten Sie auch manchmal in die Luft gehen, weil Sie schon wieder zu spät zur Arbeit gekommen sind?“, begann er, starrte die Zeile eine Weile an und löschte sie wieder. Einige Momente später tippte er „Wünschen Sie sich auch, Sie könnten Verkehrsstaus einfach überspringen?“, blinzelte, und drückte erneut auf die Löschtaste.

Vielleicht wäre es einfacher, den Text mit ein paar technischen Details einzuleiten, dachte der Texter, zum Beispiel mit dem Treibstoff. Was schluckt so ein Ding denn? Ah, Plutoniumstäbchen. Nun denn: „Wer kennt das nicht: Im Keller liegen noch zwei, drei Kilo Plutonium rum, und keiner weiß, wohin mit dem Zeug. Nun, jetzt gibt es…“ Weiter kam der Texter nicht, bevor sich sein Zeigefinger selbstständig machte und das Geschriebene ausradierte.

Die rettende Idee?

Er grübelte eine Weile, dann kam ihm die rettende Idee: Wenn man ein neues Auto kaufte, tat man dies ja nicht, um schneller zur Arbeit zu kommen, nicht wahr? Nein, man wollte den Nachbarn neidisch machen – und natürlich alle anderen Menschen, denen man begegnete. Das war der perfekte Aufhänger! Seine Finger flogen über die Tastatur und schrieben: „Stellen Sie sich vor, Sie sind im deutschen Luftraum unterwegs. Plötzlich läuft Ihnen Ihr Nachbar über den Weg und staunt: Was hat der denn da für ein heißes Gerät auf dem…“

Nachdem er auch diese Zeile vernichtet hatte, starrte der Texter ratlos in die grausam weißen Tiefen seines Bildschirms. Vielleicht brauchte er einfach mal Urlaub.

Urlaub, das war’s! Mit dem Teil konnte man doch sicherlich erstklassige Ferien verbringen! „Nehmen Sie die Familie mit!“, schrieb er. „Auf geht’s in die Stratosphäre für ein gemütliches Picknick mit…“ – Löschtaste. „Nach nur wenigen Flugstunden über dem Atlantik sind Sie schon in Florida und…“ – Löschtaste. „So romantisch kann es nur im Inneren einer Cumuluswolke…“ – Löschtaste.“ Sie könnten bei Wespen in die Luft gehen? Versuchen Sie Ihr Glück mal mit einer Boeing!“ – Löschtaste.

Jetpack bis zum Haare raufen

Der Texter begann sich die Haare zu raufen. Es konnte doch nicht so schwer sein, so etwas wie ein Jetpack anzupreisen! Doch unglücklicherweise schien das Ding kaum alltägliche Anwendungsmöglichkeiten zu haben. Sicher könnte man damit zur Arbeit fliegen, aber dann würde der Job nur noch langweiliger erscheinen, nicht wahr? Und natürlich könnte man wild durch die Luft kreuzen, aber was täte man gegen die Insekten, die man mit dem Gesicht aufsammelte? Und wer garantierte einem, dass einen die Bundeswehr nicht zu Zielübungen heranziehen würde? Fliegen klang allmählich gar nicht mehr so attraktiv…

Der Texter blickte für eine Weile in den Monitor, dann begannen sich seine Finger zu bewegen. „Sie könnten glatt in die Luft gehen: Ihr Nachbar versucht schon wieder, Ihren Neid mit einem neuen Auto zu erregen! Jetzt können Sie ihm ein Geschenk machen, bei dem garantiert ist, dass Sie ihn so schnell nicht wiedersehen …“

Es war ein Anfang.

Euer Sascha