Bringt “Team Marktwert“ den Social Media Erfolgsfaktor in die Bundesliga?

 Kategorie: Digi-Trends, Social Media

In wenigen Monaten beginnt die Fußball-Europameisterschaft – doch für deutsche Fans des Rasensports dürfte auch dieses Thema aktuell brandheiß sein: In der Fußball-Bundesliga könnte Erfolg neu definiert werden, zumindest wenn es um die Verteilung der TV-Gelder an die Vereine geht. Social Media ist daran nicht ganz unbeteiligt.

“Team Marktwert“ – Koalition der Traditionsvereine

Zum Hintergrund: Sechs Traditionsklubs der Fußball-Bundesliga haben sich zusammengeschlossen: Als “Team Marktwert“ wollen sie die bisher geltenden Standards zur Verteilung der TV-Gelder an die Vereine anfechten. Was vom Namen her nach einer schlechten Neuauflage von “TKKG“, “Die drei ???“ oder “Fünf Freunde“ klingt (und vielleicht auch das Zeug zum April-Scherz gehabt hätte), ist ernst gemeint. Bislang ist, abgesehen von einem einheitlichen Sockelbetrag, nur der sportliche Erfolg, d. h. die Tabellenposition der vergangenen fünf Jahre für die Verteilung der Fernsehgelder entscheidend. Wenn es nach einigen Traditionsklubs geht, soll sich das ändern.

Denn die finden es weder fair noch zeitgemäß, dass allein Tabellenpunkte über die Bewertung entscheiden. “Die“ – das sind die Eintracht Frankfurt, Werder Bremen, der VfB Stuttgart, der Hamburger SV sowie der 1. FC Köln und Hertha BSC. Erklärtes Ziel von “Team Marktwert“: weitere objektive Faktoren zur Bemessung der Verein-Marktwerte aufstellen und so neue Grundlagen zur gerechteren TV-Geld-Verteilung schaffen.

Die neuen Vergabekriterien

In der Pressemitteilung, die die sechs Vereine gestern gemeinsam herausgegeben haben, erklären sie:

„Dieser Marktwert kann sich aus objektiven Kennzahlen wie Fanbasis, Beliebtheit, Bekanntheit, TV-Reichweite und Interaktionsraten in Social Media errechnen. So sollte beispielsweise eine große, leidenschaftliche Fangemeinde als Wert im TV-Ranking Berücksichtigung finden – denn sie führt zu höheren Einschaltquoten und einer größeren Wahrnehmung der Gesamtmarke Bundesliga in der Öffentlichkeit.“

Fan-Base, Social Media Interaktionsraten – und das in einem Atemzug mit “höhere Einschaltquoten“ und “größere Wahrnehmen der Bundesliga“. Social Media ist im deutschen Fußball angekommen – wenn es nach den Traditionsvereinen geht.

VfB Stuttgart-Präsident Bernd Wahler betont in der Mitteilung nochmal:

“‘Wer den Wert eines Produktes steigert, weil er viel mehr Fans und Anhänger hat – der sollte bei der Verteilung der Einnahmen auch entsprechend berücksichtigt werden. Alles andere wäre ungerecht.‘“

Die Ankündigung des SV Werder Bremen am Mittwoch auf der Social Media Plattform Instagram:

Instagram-Post vom SV Werder Bremen zu "Team Marktwert"

„Tradition verbindet bekanntlich, auch in der Bundesliga ist das der Fall.“ – der SV Werder Bremen auf Instagram.

Bis nach Saisonende will das Bündnis nun konkrete Kriterien erarbeiten. Sollte sich dieser neue Kriterienkatalog durchsetzen, dürfte der Begriff einer kleinen Bundesliga-Revolution sicher erlaubt sein. Dass auch die Aktivität und Beliebtheit von Bundesligisten in Sozialen Netzwerken zu ihrem Markwert beitragen könnten, hätten Fußball-Präsidenten vor einigen Jahren sicher für einen Scherz gehalten. Jetzt liefern sie selbst den Anstoß. Ob das bei allen für Beifallstürme sorgt?

Und das sagt das Netz zu “Team Marktwert“

Gut, nicht alle Vereine – wie z. B. der VfL Wolfsburg – reagieren mit Begeisterung auf den Vorstoß von “Team Marktwert“. Die in der Tabelle hochrangig Platzierten dürften im Grunde auch wenig Anlass dazu sehen. Aber was sagen eigentlich Fans und andere User im Web dazu – schließlich spielen auch sie in der aktuellen Social Media Diskussion eine wesentliche Rolle? Ein Blick zum Bespiel auf Twitter gibt Aufschluss:

Fußball-Bundesliga: Statement zu "Team Marktwert" - klartext89

 

 

Fußball-Bundesliga: Statement zu "Team Marktwert" - DudiOhneAlles

 

 

Fußball-Bundesliga: Statement zu "Team Marktwert" - HSVFabi

 

 

Fußball-Bundesliga: Statement zu "Team Marktwert" - nedfuller

 

 

Fußball-Bundesliga: Statement zu "Team Marktwert" - @FSinns

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fußball-Bundesliga: Statement zu "Team Marktwert" - @aina_93

 

 

Fußball-Bundesliga: Statement zu "Team Marktwert" - fluchtplan

 

 

Fußball-Bundesliga: Statement zu "Team Marktwert" - torhamster04

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Stimmen sind wie zu erwarten gemischt: von kritisch über anerkennend bis hin zu spöttisch (Beispiel “Team Misswirtschaft“). Die einen halten das Ganze für Quatsch, für an den Haaren herbeigezogen und für Geldeintreiberei. Die anderen schlagen sich auf die Seite von “Bündnis Marktwert/Die Traditionsvereine“, die die Bundesliga-Tabelle in Allein-Betrachtung als Marktwert-Preller sehen. Klar, sicher ist der Vorstoß dieser Klubs eigennützig und käme wohl auch manchen Zweitligisten zu Gute. Dennoch ist doch nicht von der Hand zu weisen, dass Fußball-Vereine heute wesentlich mehr sind als reine Sport-Vereinigungen.

DFB-Spekulatius im EM-Frühherbst

Wer kritisiert, dass Fußball nicht zu einer Show mutieren dürfe, tut gerade so, als wäre der ganze Marketing-Zinnober um den eigentlichen Fußball herum noch nicht existent. Nicht ohne Grund ziehen vor allem die Europa- und Weltmeisterschaft im Fußball so viel Aufmerksamkeit auf sich – es geht eben auch um das gesamte Erlebnis drum herum. In den ersten Läden hängen bereits ganze Wände voll mit Deutschland-Fan-Artikeln: DFB-Spekulatius im EM-Frühherbst. Schon zwei Monate vor Beginn der Europameisterschaft dürfen wir uns mit schwarz-rot-goldenem Klimbim schmücken oder zumindest schon mal damit versorgen. Es ist doch nicht “Team Marktwert“, das die Vermarktungs-Maschinerie im deutschen Fußball erst auf den Plan ruft.

Sei’s drum, Reichweite beispielsweise ist ein wesentlicher Erfolgsindikator: im Print-Bereich, im Radio und eben auch im Internet und Fernsehen. Das vor allem die zuletzt Genannten zunehmend verschmelzen und eine hohe Online-Aufmerksamkeit wegen des sich wandelnden Nutzerverhaltens immer wichtiger wird, ist auch kein Geheimnis. Das haben viele Vereine und ihre Spieler längst erkannt und führen z. B. eigene Profile in sämtlichen Sozialen Netzwerken.

Ihre Social Media-Relevanz bzw. TV-Einschaltquoten zur Marktwert-Betrachtung nicht komplett außen vor zu lassen, hat darum meines Erachtens durchaus Diskussionsberechtigung. Interessant wird in jedem Fall, wie die Vergabe-Kriterien lauten und im Detail bemessen werden sollen. Eine Art (Marktwert)-Algorithmus, der mehrere Faktoren verschieden stark gewichtet? … das kennen wir doch irgendwo her. 😉

Ihr seid nun gefragt: Was haltet ihr von dem Bündnis und der Idee hinter “Team Marktwert“ im Social Media?